Backpacking Teil 2 Oregon:
Orchideenwiesen und "Forelle satt".
Dass "Backpacking" kein Zuckerschlecken ist, wussten wir schon von unserem Nepal-Abenteuer. Unsere amerikanischen Freunde, die wir bei unserem Wohnmobilurlaub im Südwesten der USA kennen gelernt hatten, schwärmten uns von einer Wanderung in die Marble Mountains an der Grenze zwischen Oregon und Kalifornien vor. Die Marble Mountains liegen im Klamath National Forest und werden vom "Pacific Crest Trail" durchquert. Marble bedeutet "Marmor", diese Berge bestehen also aus Marmor, allerdings aus einer "minderwertigen" Sorte, so dass dieser Marmor nicht kommerziell verwendet werden kann. Zum Glück - sonst gäbe es diese Berge längst nicht mehr. Der hohe Kalkgehalt hat den Effekt, dass es dort unzählige Blütenpflanzen gibt. Auch dem Angler haben die Seen in diesem Gebiet einiges zu bieten. Also gehörte zu unserer Grundausrüstung eine leichte Angel - und vor allem eine gültige Angellizenz.
Anders als in Nepal waren diesmal im Zielgebiet keine Verpflegungsmöglichkeiten oder Einkaufsmöglichkeiten zu erwarten. Unsere amerikanischen Freunde hatten deshalb "Backpacking Food" besorgt. Das ist gefriergetrocknete "Fertignahrung". Jede Portion befindet sich in einem Alubeutel, den man oben öffnet, eine Tasse heißes Wasser hineinkippt und dann verschließt. Nach 10 Minuten hat man eine Mahlzeit. Das kann ein "Hauptgericht" wie "Spaghetti mit Fleischsoße" oder "Reis mit Hühnerfleisch" aber auch ein Frühstück wie "Rühreier mit Speck" sein. Für die Verpflegung tagsüber waren Nussmischungen mit Trockenfrüchten und getrocknetes Fleisch vorgesehen. Die Portionen wurden eingeteilt und in Plastikbeuteln verpackt. Dann kamen Zelt, Schlafsack, Kleidung, Toilettenartikel usw. hinzu. Für die Wasserversorgung hatten wir einen Wasserfilter dabei. Als wir die Rucksäcke auf die Waage stellten, zeigte diese so etwa 28 kg an. Hinzu kam dann noch die 2 Liter Wasserflasche für den Tagesbedarf und bei mir noch eine Spiegelreflex-Kamera im Mittelformat mit Teleobjektiv.
Der Aufstieg vom Ende der befahrbaren Piste zu unserem Lagerplatz an einem See dauerte 6 Stunden und es gibt nicht viel darüber zu berichten. Wir waren nicht ausreichend trainiert - es war eine "Schinderei". Am See angekommen suchten wir uns eine flache Stelle zwischen großen Tannen und stellten die Zelte auf.
Unsere amerikanischen Freunde gaben uns nun einige Verhaltensregeln bekannt. Sie eröffneten uns, dass dies eine "Bärengegend" sei, die Bären aber einen gewissen "Respekt" vor Menschen hätten, denn im Herbst dürften die Bären erlegt werden. Wir sollten keine Essensreste in der Nähe der Zelte vergraben und auf keinen Fall mit in das Zelt nehmen. Es wurden Seile zwischen zwei Bäume gespannt und in die Mitte die Rucksäcke gehängt. Auf meine Frage ob das wegen der Bären sei, meinten unsere Freunde : "Ja ... auch, aber dafür würde es genügen sie hoch genug in einen Baum zu hängen. Mit dieser Methode versuchen wir unsere Nahrung vor den Eichhörnchen zu schützen." Dass die Eichhörnchen dem Menschen dort oben mehr Ärger machen als die Bären, erfuhren wir zwei Tage später. Nebenan zelteten 4 junge Männer. Sie saßen traurig ums Feuer. "Morgen ist unser Ausflug vorzeitig beendet" sagten sie. "Die Eichhörnchen haben unsere Nussmischungen gefressen, nun ist die Verpflegung alle". Noch vor einer anderen "Gefahr" wurden wir gewarnt.
"Macht euch keine Sorgen wenn es nachts laut um das Zelt schnaubt, das sind Hirsche (Deers). Tatsächlich bekamen wir bereits in der ersten Nacht Besuch von diesen Hirschen. Es schnaubte laut und dicht am Zelt. Ich spähte vorsichtig hinaus und sah im Mondlicht die "Deers" (sind größer als unsere Rehe, aber kleiner als Hirsche) und machte mir so meine Gedanken über die Indianer, ihre Bogen und die Möglichkeiten sich mit Nahrung zu versorgen.
Aber auch von Bären bekamen wir "einiges zu sehen". Da war zunächst der Tatzenabdruck, den meine Frau beim Gang zur Morgentoilette nicht weit vom Zelt entdeckte. Dann war da der Baum, den der Bär beim Koten benutzt hatte. Die Rinde war zerfleddert und am Boden konnte man die "Hinterlassenschaften" sehen. Und das direkt am Wanderweg! Aber schließlich sahen wir ihn direkt am anderen Ufer des Sees an einem Steilhang, an dem er genüsslich wilden Sellerie verspeiste.
Am zweiten Tag machten wir uns, nur mit Tagesgepäck, Wasser und Kamera, auf zum Weg hinauf zum "Pacific Crest Trail". Die Aussicht auf die Berge Richtung Ostküste war überwältigend. Mein Freund Dick meinte - zwischen hier und dem Pazifik gibt es nur noch Berge und Wälder, nur eine einzige Strasse quert da noch. Die Orchideen fand man nicht vereinzelt, sondern in ganzen Wiesen.
Ein Erlebnis hat mich aber doch sehr nachdenklich gemacht. Wir kamen an eine Stelle, da lagen plötzlich Tannennadeln, Tannenästchen und größere Tannenäste auf dem Weg. An den Ästen waren noch Tannenblüten - ganz frisch. In einiger Entfernung sahen wir den Stumpf einer riesigen Tanne. Je mehr wir uns diesem Stumpf näherten, desto größer wurden die Stücke. Es waren auch Holzscheite dabei. Der Stumpf zeigte verkohlte Stellen. Was passiert war konnte man sich leicht ausmalen. Ein Blitz hatte in diese allein stehende Tanne (subalpine fir) eingeschlagen und sie war regelrecht explodiert! Wehe dem Camper, der hier sein Camp aufgeschlagen hätte!
Was soll ich sagen? Diese Wanderung war nur überwältigend! Zwischen Orchideenwiesen vorbei an stillen Bergseen ging es über zwei Meter hohe Schneereste hinein in die Felsen der Marble Mountains. Immer wieder wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass kleine Löcher in der Oberfläche nur das obere Ende riesiger Höhlen sind, die das Wasser aus dem Kalk gelöst hat. Fantastische Ausblicke auf ferne Berge, die wegen dem "Marple" aussahen als wären sie noch vom Schnee bedeckt - was ja teilweise auch der Fall war.
Zurück von dieser erlebnisreichen Wanderung, gespickt mit unvergesslichen Eindrücken, stand uns ein weniger erfreuliches Ereignis bevor. Wir hatten uns den ganzen Tag von Trockenfleisch und Nussmischung ernährt. Nun stand uns die "Camping-Küche" mit dem "leckeren" "Backpacking Food" bevor. Natürlich - das Zeug dient zum Überleben. Aber - hatten wir nicht eine Angel und war der See nicht voll von Forellen? So müde waren wir nun doch nicht! Schon am Tag vorher hatten wir festgestellt, dass die Forellen "sehr gierig" waren. Unsere amerikanische Freundin hatte einige Regenwürmer mitgenommen. Der Verkäufer der Angelkarte hatte mir noch ein "Wundermittel" aufgeschwätzt. Eine fluoreszierende Paste mit silbrigem Glitzern drin.
Die Regenwürmer waren schon etwas "schlaff". Das "Geheimrezept" war, den schlaffen Regenwurm mit etwas Glitzermittel zu beschmieren. Am Tag vorher hatten wir das erprobt. Nun waren wir hungrig und hatten auf "Backpacking Food" so gar keinen Appetit. Also marschierten wir zum See und versuchten unser Glück. Bis zu diesem Tag waren mir lediglich die Bachforelle und die aus Amerika eingeführte Regenbogenforelle bekannt. In diesem See gingen uns neben der "rainbow trout" auch noch die "brown trout", die "brook trout" und die "steelhead trout" an den Haken. Ich staunte zwar über die Vielfalt der Forellenarten, aber auf den Grill kamen sie alle gemeinsam. Ein anderer Wanderer hatte ein Drahtgitter zurück gelassen auf dem die Forellen gegrillt wurden. Als Gewürz hatten wir nur etwas Zitronensaft und Salz. Eine sehr einfache Campingküche, aber immer noch besser als "Backpacking Food".
Am anderen Tag mussten wir unsere Wasservorräte ergänzen. Dabei zerlegte sich unser Wasserfilter. Ein Bolzen verschwand in der Quelle und wir mussten ihn durch ein Hartholzstäbchen ersetzen. Am gegenüber liegenden Steilhang konnten wir "Meister Petz" beim Fressen beobachten. Wir inspizierten wieder den See um unsere Campingküche zu ergänzen. Schließlich probierten wir auch noch das "Backpacking Food".
Es war ein anstrengender, aber erlebnisreicher Campingurlaub!
Nachtrag :
Wieder so ein Vorurteil : "Beim Essen im Freien könnten ja Tierchen ins Essen fallen".
Gerade auf der Anreise zu diesem anstrengenden Trip hatten wir (besonders meine Frau) ein Erlebnis "der besonderen Art". Um uns für den anstrengenden Tag zu stärken, kehrten wir noch in einem Restaurant ein und bestellten uns das typische Südwest-Amerikanische Frühstück aus "Fluffy Pankakes", Spiegeleier, Bratkartoffeln, Toast, Sirup, Speck und was halt so dazu gehört. Um den Teller schön zu garnieren hatte man Blätter vom krausen Buntkohl dazu gelegt. Aus diesem kroch auf dem Teller meiner Frau eine dicke fette grüne Raupe. Das Gesicht meiner Frau nahm die Farbe dieser Raupe an, sie rannte Richtung "keramische Abteilung". Mit der "Stärkung" vor dem Trip war es bei ihr vorbei! Diese landete in der Schüssel. Bei unserer Campingküche hatten wir noch nie eine Raupe auf dem Teller!
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