Campingurlaub und Campingküche

Backpacking in Nepal ...

 

 

 
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Trecking (Backpacking) in Nepal:
Und "der beste Obstsalat der Welt".

Mit Backpacking meine ich jetzt nicht mit Rucksack von Jugendherberge zu Jugendherberge, sondern eine Tour in die Wildnis, mit dem "nötigsten" im Gepäck. Dann ist Backpacking wohl die extremste Form von Campingurlaub. Was "das Nötigste" ist, bestimmen die Verhältnisse, die im Zielgebiet der Wanderung anzutreffen sind.

 

Wir planten eine Trekking Tour in Nepal, in ein Tal, das uns auf 4.000 Meter hinauf führte. Wir sind keine Bergsteiger, wir wollten nur eine Wanderung machen. Beraten wurden wir dabei von einem Freund, der zu dieser Zeit in Nepal lebte. Sein Rat : "Ihr braucht keine speziellen Lebensmittel mitbringen, man kann alles hier kaufen, auch unterwegs könnt ihr euch an "Hotels" versorgen." Wir waren zu dritt und mieteten noch zwei Träger. Die "großen Reiseveranstalter" hatten damals etwa 12 Träger für 8 Touristen vorgesehen. Unsere Träger sollten jeder 30 kg tragen, wir Männer muteten uns 25 kg zu, meine Frau hatte 15 kg zu tragen. Die Träger bekamen die Zelte und die Küche, wir die persönlichen Klamotten und die Lebensmittel.

 

Wir fuhren mit dem Bus von Kathmandu zu unserem Start. Die Busreise war schon ein Erlebnis der ungewöhnlichen Art. Da wir zu spät kamen, waren alle Sitzplätze besetzt. Wir mussten stehen. Höflichkeit gegenüber einer Frau kennen die Nepali nicht, auch meine Frau musste stehen. "Stehen" war das aber nicht! Da die Nepali alle sehr klein sind, war die Höhe im Bus nicht ausreichend für einen "normal gewachsenen" Deutschen. Man stand total verkrümmt im Bus, klammerte sich an einen der wenigen Haltegriffe und wurde hin und her geschleudert. Die Busfahrt dauerte sechs Stunden.

 

Für die Reise in diese Gegend, die als Unruheregion eingestuft war, war ein "Permit" erforderlich. Alle 10 km wurde dieses Permit kontrolliert. Eine Anzahl Mitreisender wurde ständig weit vor den Kontrollstellen aus dem Bus gelassen und stieg dann weit nach der Kontrollstelle wieder zu. Einige Mitreisende "saßen" auf dem Dach. Da wir langsam "Genickstarre" bekamen, kletterten wir auch aufs Dach. Das war abenteuerlich! Der Einzige Halt waren die Stricke, mit denen das Gepäck befestigt war. Geländer oder "Rand" gab es keinen.

 

Wir erreichten ohne Unfall den Ort, an dem unsere Trekking Tour starten sollte. Der Ort lag etwa 200 m über Meereshöhe, die Hitze im September noch "tropisch". Die 25 kg waren "ein Schock", wir "wankten los". Die Träger legten sich ihre Stirnbänder um, stemmten die 30 kg hoch und legten einen flotten Schritt drauf.
Anfangs waren die Verpflegungs-Angebote noch "üppig". Da wurde gekochter Reis und Hirsebier am Straßenrand angeboten. Wir gönnten unseren Trägern ein Hirsebier - uns sah das nicht so "appetitlich" aus. Mittags gab es dann "Reis cooking". Wir staunten nicht schlecht, unsere Träger konnten 4 große Teller Reis verschlingen, unsere Mägen fassten gerade einen halben Teller.

 

 


 
         
 

Das Trecking-Permit

Erster Lagerplatz am Fluss

Noch ist es sehr heiß

Noch ist es sehr heiß

Tschampa wird gekocht

Camping im Regenwald

Noch mal über den Fluss und dann ...

Das Hotel mit dem besten Fruchtsalat der Welt

Die Sechstausender des Langtang kommen näher

Gleich sind wir im Hochtal

Im Hochtal des Langtang auf 4.000 Meter

Im Hochtal des Langtang auf 4.000 Meter

Das Hotel war eine Bretterhütte, die Ritzen mit Zeitungen tapeziert um den 
Wind etwas abzuhalten.

Auf dem Rückweg.

Wichtig bei der Tagesplanung war der richtige Zeitpunkt für das abendliche Lager. So etwa um 16:00 Uhr musste ein Lagerplatz gefunden sein, denn pünktlich um 18:00 Uhr "ging die Sonne unter". Das war kein "Sonnenuntergang", sondern Petrus "knipste einfach das Licht aus!" Die Träger stellten die Zelte auf - diese Aufgabe ließen sie sich nicht nehmen. Dann wurde ein Feuer gemacht und die "Campingküche" war eröffnet. Für uns "Touris" wurde Reis gekocht, der mit Doseninhalten angereichert wurde. Das konnte Corned Beef oder Thunfisch sein. Die Träger hatten - zusätzlich zu unserem Gepäck - einen Sack Hirse und den Flomen eines Hammels dabei. Außerdem einen Kessel. Der Kessel kam über das Feuer, war er heiß, wurde er mit dem Hammelflomen eingerieben. Dann kam die Hirse hinein und wurde angeröstet. Dann wurde mit Wasser aufgegossen und nach 20 Minuten war die "Tschampa" fertig. Neugierig, wie ich nun mal bin, wollte ich die "Tschampa" auch mal kosten. Na ... für den Rest der Reise habe ich darauf verzichtet.

 

Eines Tages begegnete uns ein Nepali. Er fragte nach dem Ziel unserer Reise und meinte dazu : "Da kommt ihr ja an meinem Hotel vorbei - da müsst ihr unbedingt einkehren!" Nun haben wir Deutschen eine ganz bestimmte Vorstellung von einem Hotel. Während wir unter der Last unseres Gepäckes hinter unseren Trägern herhechelten, kreiste unser Gespräch um die Erwartungen, die wir von diesem Hotel hatten. Da war von einem "sauberen Bett" die Rede (meine Frau), von einer Dusche, aber vor allem von einem kühlen Bier. Ein kühles Bier war damals in Nepal keine überzogene Vorstellung. Die deutsche Entwicklungshilfe hatte den Nepalesen neben einem Kraftwerk für elektrischem Strom (mit dem die Nepalesen nichts anfangen konnten, da sie sich keine Glühbirnen leisten können) auch eine Brauerei "spendiert", die ein hervorragendes Bier - die Flasche (damals) für drei Mark = Tagesverdienst eines Trägers - herstellte.

 

Also träumten wir die nächsten Tage von einem kühlen Bier. Wir fragten die Träger, wie weit es noch zu diesem Hotel sei. "Morgen" sagten sie, immer wieder "Morgen". Aber dann sollte es endlich so weit sein. Beim Aufbruch sagten sie - heute ist es so weit. Wir verzichteten auf das Frühstück und strebten dem Hotel zu. Unser Weg führte uns ein Flusstal hinauf. Die Nebenflüsse zwangen uns jedes Mal tief hinunter. Nun mussten wir über eine Hängebrücke eines Nebenflusses, dann auf etwa 2.500 Meter hinauf. Endlich kam das Hotel in Sicht. Beim Anblick dieses Hotels kamen uns die Tränen.

 

Eine elende Hütte aus Ästen und Stroh errichtet. Keine sauberen Betten, keine Dusche und das Schlimmste - kein kühles Bier! Nicht einmal etwas "vernünftiges zu Essen". Mit tränenverschleiertem Blick entdeckte ich eine große Dose "gemischtes Obst". Unserem Begleiter war der Preis zu hoch. Ich kaufte die Dose trotzdem. Wir löffelten die Dose aus und sprechen seither vom "besten Fruchtsalat der Welt".

 

Bevor wir endgültig das Ziel erreichten, mussten wir noch ein paar Mal hinunter um einen Fluss zu überqueren. Der letzte Anstieg brachte uns dann von etwa 3.000 Meter auf 4.000 Meter. Wir legten die Rucksäcke ab und hofften auf "Erleichterung", die sich aber nicht einstellte. Die Nacht verbrachten wir in einer elenden Hütte, die sich auch "Hotel" nannte. Es wurde bitter kalt. Am meisten haben unsere Träger gefroren, die für diese Höhe und Jahreszeit nur mit kurzen Hosen und Stoff-Turnschuhen ausgerüstet waren.

Am nächsten Tag wanderten wir ohne Gepäck ans Ende dieses Tales und "schwebten wie die Engel" dahin. Nun hatte die "Höhenakklimatisation" gewirkt. Nach einer weiteren Frostnacht begannen wir den Rückmarsch. Wir hatten für den Hinweg 6 Tage benötigt. Den Rückweg bewältigten wir in 3 ½ Tagen. Um einige Kilo leichter kamen wir wieder an unserem Ausgangspunkt an. Die Rückfahrt mit dem Bus gestaltete sich noch einmal abenteuerlich.

 

In Nepal wird ein Reifen erst gewechselt, wenn er kaputt ist. Der Busfahrer hatte zwar vorsorglich schon einen (abgefahrenen) Ersatzreifen dabei, aber erst als der bis auf die Leinwand durchgefahrene Reifen platzte, durfte er ihn wechseln. Wagenheber sind ein unnötiger Luxus! Es wurde ein Bäumchen gefällt, Feldsteine aufgestapelt und "Hau-Ruck" - hoch mit dem Bus! Der Mantel mit Montiereisen entfernt, der Schlauch geflickt und der (ziemlich abgefahrene) "neue" Mantel aufgezogen. Mit 3 Stunden Verspätung ging es weiter - zurück nach Kathmandu in die "Zivilisation".
Zugegeben, das war ein "extremer" Campingurlaub, als "Hoteltourist" hätten wir dieses Abenteuer jedoch nicht erleben können. Die "Campingküche" war auch nicht gerade auf Gourmet-Niveau, aber "sie hat uns ernährt".

 

Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Bild 1: Das Trecking-Permit.

Bild 2. Erster Lagerplatz am Fluss.

Bild 3, 4 : Noch ist es sehr heiß.

Bild 5: Tschampa wird gekocht.

Bild 6: Camping im Regenwald.

Bild 7: Noch mal über den Fluss und dann ...

Bild 8: Das Hotel mit dem "besten Fruchtsalat der Welt".

Bild 9: Die Sechstausender des Langtang kommen näher.

Bild 10: Gleich sind wir im Hochtal.

Bild 11, 12: Im Hochtal des Langtang auf 4.000 Meter

Bild 13: Das "Hotel" war eine Bretterhütte, die Ritzen mit Zeitungen tapeziert um den

Wind etwas abzuhalten.

Bild 14: Auf dem Rückweg der Blick zurück.