Nicht alle Wildtiere waren jedoch so zutraulich.
Die scheuen Gambel's Quail rannten immer so schnell
weg, dass mir kein Foto gelang. Immer wenn ich sie per Zufall in
der Nähe sah, hatte ich den Fotoapparat nicht griffbereit und
bis ich so weit war, husch waren die scheuen Vögel weg. Dabei
sind sie mit ihrem roten Schopf und der einzelnen daraus hervorstehenden
Feder besonders "fotogen".
In den letzten vier Tagen vor unserer Rückreise
waren wir wieder zurück in Phoenix auf einem Campground nahe
der Stadt. Der Campground lag in der Wüste auf einer ehemaligen
Abraumhalde einer Goldmine. Die übliche Stellplatzbegrenzung
wurde hier von dornigen und stacheligen Pflanzen gebildet. Ocotillo-
und Palo Verde Büsche, aber auch Kakteen. Besonders häufig
vertreten war der Teddy Bear Cholla. Ein Schelm, der diesem Kaktus
so einen "kuscheligen" Namen gegeben hat. Mit seinen 8
bis 10 cm langen Stacheln ist er alles andere als "kuschelig".
Er verbreitet sich durch abgelöste Glieder, die sich bei kleinster
Berührung an Mensch und Tier heften. Die glasartigen Stacheln
brechen bald ab und der Ableger hat eine neue Heimat gefunden. Aber
ausgerechnet diesen stacheligen Burschen hat sich ein kleiner Vogel
als Nistplatz auserkoren. Der Cactus Wren fühlt sich in den
etwa 2 Meter hohen Teddy Bear Chollas total sicher. In einer Gegend,
wo es vor seinen Feinden nur so wimmelt. Nicht nur der große
Koyote, sondern vor allem die Schleicher wie die Rattlesnake, der
Horned Toad oder das Gila Monster werden seinem Nachwuchs gefährlich.
Geschützt in seinem Freund Teddy hat er auch vor großen
Ungetümen wie den Wohnmobilen keine Angst. So ein bewohnter
Stachelbaum begrenzte unseren Stellplatz und vom Bett im Alkoven
über dem Führerhaus konnten wir aus 50 cm Entfernung direkt
in das Nest einer Cactus Wren Familie schauen. Dort waren die Jungen
gerade geschlüpft und wir konnten ihnen direkt in ihre aufgerissenen
Schnäbel schauen, wenn sie gerade gefüttert wurden.
Nun neigte sich unser Urlaub dem Ende zu und ich
hatte immer noch kein Foto von diesen Gambel's Quails. Es gab sie
aber auf dem Platz und so kam ich auf die Idee, sie direkt vor dem
Fenster unseres Wohnmobils anzufüttern. Abends streuten wir
also Reis aus und hofften damit diese scheuen Vögel anzulocken.
Am nächsten Morgen hörte ich beim Aufwachen ein vielstimmiges
Kratzen und Knirschen. Fünf kleine Kaninchen (Desert Cottontails)
hatten den Reis gefunden und ließen ihn sich schmecken.
Nicht alle Tierbegegnungen waren erfreulich oder
ungefährlich. So war es nicht schön, die vielen Coyoten
und Javelinas (kleine Wildschweine) tot am Wegesrand liegen zu sehen.
Nicht ganz ungefährlich war auch meine Begegnung mit der Western
Diamondback Rattlesnake. Die Sonnenuntergänge über Phoenix
waren überwältigend. So versuchte ich ein besonders gelungenes
Bild mit Sonnenuntergang hinter Saguaros zu machen. Dazu verließ
ich die markierten Wege und bewegte mich zwischen Kakteen und Mesquite-Büschen.
Der Ruf meiner Frau "Pass auf! Eine Schlange!" stoppte
meinen Schritt. Zuerst konnte ich nichts gefährliches erkennen.
Da lag ein verkrüppelter Stock in der Dämmerung vor mir
im Schotter. Erst als ich einen Stein nahm und ihn etwa 50 cm neben
den "Stock" warf, verwandelte sich dieser Stock in die
typische "Kampfstellung" einer Klapperschlange und ließ
mich durch das Rasseln erschauern. Dieses Verhalten, sich erst mal
"tot" zu stellen anstatt zu fliehen und dann anzugreifen
ist vermutlich die Ursache der vielen Unfälle mit der "Western
Diamondback".
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