Campingurlaub im Périgord, dem Land der Trüffel und der Entenstopfleber
Donnerstag 13. Mai 2010
Heute war die Besichtigung des Château de Castelnaud mit seinem Musée de la Guerre au Moyen Âge eingeplant. Dieses Waffenmuseum des Mittelalters soll angeblich das zweit größte Waffenmuseum nach dem in Paris sein. Da wir das Waffenmuseum in Paris schon gesehen haben, waren wir nach dieser Ankündigung letztlich enttäuscht. Von Ritterrüstungen sind in Castelnaud nur zwei oder drei zu sehen.
Schon von der Ferne fallen an Kastelnaud über die Mauern aufragende Stangen auf. Es handelt sich um die Wurfarme der Steinschleudern, die auf einem Freigelände aufgestellt sind. Insgesamt sind 3 verschiedene Typen von Steinschleudern als 1:1 Nachbauten zu sehen.
Die Steinschleuder (perrière)
Die Wurfkraft kommt bei dieser Kriegsmaschine lediglich aus der Biegung eines Holzstammes. Es ist eine der ältesten, von menschlicher Zugkraft betriebene Maschine. Versuche haben bewiesen, dass damit eine 1 kg schwere Steinkugel ihr Ziel mit 140 kmh trifft.
Der Mangonellus
Diese Maschine, die gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Gebrauch kam, schöpft ihre Schleuderkraft aus einem mehrere Tonnen schweren feststehendem Gegengewicht, ein Holzkasten,der Steine enthält.
Die Trebuca (trébuchet)
Bei dieser Maschine ist das Gegengewicht beweglich angebracht. Sie kann Steinkugeln mit Eisenlammellen bezugen mit einem Gewicht bis zu 100 kg schleudern und war bis ins 16. Jahrhundert die machtvollste Kriegsmaschine des Mittelalters.
Im Saal der Wurfmaschinen kann man in einem Film sehen, wie Geschosse dieser Trebuca - immer wieder auf die selbe Stelle einer Festungsmauer geschleudert, diese langsam aber sicher zerstören. In diesem Saal sind auch Modelle von Kriegsmaschinen im Masstab 1:40 ausgestellt, die aufgrund von Miniaturen, Kassenbüchern, Zeichnungen und Schriften von Militäringenieuren des 13. Jahrhunderts hergestellt wurden.
Wie sich die Belagerten wehren konnten sieht man im unteren Saal des Bergfriedes. In der Mitte des Saales steht eine große Kurbelarmbrust. Diese kann Bolzen bis zu 200 m weit schießen und dann noch drei Männer und ein Pferd durchbohren. In den Vitrinen an den Wänden sieht man dann weitere Armbrüste zur Burgverteidigung, aber auch für die Jagd. Währen bei den Armbrüsten für die Jagd auf leichtes Gewicht geachtet wurde (die Spannvorrichtung ist separat), sind bei den Armbrüsten zur Burgverteidigung (Steigbügelarmbrust und Windenarmbrust) die Spannvorrichtungen gleich angebaut.
In den vielen Räumen der Burg sind noch einige bemerkenswerte Einzelstücke ausgestellt, in einem Raum eine größere Ansammlung von Stangenwaffen (Kuse, Gläfe, Helmbarte, Ochsenzunge), außerdem werden in Filmen der Gebrauch der Waffen und die Kampfmethoden des Mittelalters gezeigt.
Wer sich Castelnaud anschaut, sollte trittsicher und fit sein, denn man betritt die Festung von der unteren Hangseite und steigt auf steilen Wendeltreppen bis hoch hinauf auf die Zinnen. Bei schönem Wetter hat man einen traumhaften Ausblick auf die Dordogne und die umliegenden Schlösser.
Montag 10. Mai 2010
(Wir haben das Nussmuseum und Castelnaud an zwei verschiedenen Tagen besucht. Da sie direkt nebeneinander liegen empfiehlt es sich dies an einem Tag zu machen.)
Nachmittags haben wir das Éco-Musée de la Noix besucht. Ein mit viel Liebe gestaltetes Museum über die Kultivierung der Walnussbäume, die Ernte und Weiterverarbeitung der Walnüsse auf biologischem Weg. Man kann dort auch Walnussöl kaufen, das auf traditionelle Weise nur durch Erwärmen und Auspressen unter hohem Druck erzeugt wird. (Bei anderen Methoden werden Chemikalische Fettlöser verwendet). Ein Film zeigt die traditionellen Methoden der Walnuss-Ernte und -Verarbeitung, aber auch die neueren Methoden. So werden beispielsweise die Walnüsse nicht mehr mit langen Stangen von den Bäumen geschlagen - Heute wird der Baum von einem "Schüttler" am Traktor gepackt und tüchtig durchgeschüttelt. Waschen, trennen und trocknen erfolgt ebenfalls maschinell. Nur das Öffnen der Nüsse erfolgt weiterhin in Handarbeit. Wir haben Walnüsse (im Mai noch frisch und nicht ranzig) und Walnussöl mit genommen. Biologisch erzeugtes Walnussöl hat seinen Preis, wir haben für 250 ml 9,50 Euro bezahlt.
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